Wie aus dem Panoramatrail der Festungstrail wurde…
Ich bin Hobbyläuferin. Ich laufe immer wieder, aber ich kann nicht schnell und nicht viel laufen, habe Angst vor Stürzen und kriege keine Luft bei Höhenmetern. Ich nehme an Laufwettbewerben teil, wähle aber immer die kürzeste Route. Diesmal 6,4 Kilometer. Harmlos soll es sein, ganz easy. So sagt man. Ich bin aber im Ostblock groß geworden und oft misstrauisch, was Versprechungen betrifft.

Als wir am Kapitelplatz ankommen, fängt es an, zu regnen. Das gehört ja in Salzburg dazu. Man kann sich umso mehr freuen, wenn der Regen direkt vor dem Start ein bisschen nachlässt. Es ist warm, ich ziehe zwei Minuten vor dem Start meine Jacke aus und binde sie an meine Hüften. Ich passe auf, dass meine Startnummer weiterhin zu sehen ist, sie hängt an meiner Gürteltasche.

Wir laufen los. Zwei Runden unten und dann machen wir uns auf den Weg nach oben. Stufen kommen, dann Grünes und das Panorama auf die wunderschöne Stadt Salzburg. Es gibt doch Regen, ich ziehe meine Kapuze an. Ich putze meine Nase, dazu muss ich ein Taschentuch aus der Jacke nehmen. Ich merke nicht, dass meine Nummer sich durch die Jacke verdeckt wird.
Als wir die Treppen wieder nach unten nehmen, überholen mich einige junge Männer. Einer rutscht auf den nassen Stufen hinter und dann auch vor mir aus. Er läuft ja super schnell, ohne Angst vor dem Stürzen.

„Wieso waren diese kräftigen Männer bisher hinter mir?“ – frage ich mich. Bin dann aber durch die Konzentration auf die Treppen abgelenkt und löse das Rätsel nicht.
Wir laufen weiter und kommen unten an. Die großen Bögen, wo der Start war… Viele Menschen… Ist da am Rande eine Frau mit Medaillen in der Hand? Sie regt sich nicht, wie ich in ihre Richtung laufe. Wieder überholt mich ein junger Mann. Ich folge ihm. Das ist meine Taktik bei Laufwettbewerben: Immer anderen folgen. Ich bin ja so schlecht bei der Orientierung. Am besten orientiere ich mich nach klügeren Läufern, so muss ich nicht die Zeichen suchen.

An einer Ecke steht ein Organisator mit der Weste und schickt uns wieder auf Treppen. Ganz lange, unendliche Stufen… Die Zahnradbahn fährt parallel zu uns. Das ist wirklich hart… ich gehe und fluche. Es regnet. Irgendwann komme ich an, oben, im Ziel. Ich bekomme eine Medaille.
Ganz viele Menschen, der Platz ist voll. Ich suche nach meinem Freund. Ich dachte eigentlich, er würde auf mich warten. Ich rufe ihn an: „Wo bist du denn?“, frage ich ihn. „Beim Ziel.“ „Ich auch. „Treffen wir uns vor der Kirche. Oder am Salomon-Zelt. Geht nicht. Wir finden nicht zueinander. Ich stehe, wie gesagt, im Salomon-Zelt, wo Kuchen ausgeteilt wird und er findet mich nicht. Das kann nicht sein!

Es dauert ein bisschen, bis wir darauf kommen, dass ich beim Ziel oben bin und er beim Ziel unten ist. Dass ich nicht stehen geblieben bin in meinem Ziel, sondern mich danach an den Leuten der anderen Strecke angeschlossen habe.
Die Frau mit den Medaillen hat meine Startnummer nicht gesehen, weil sie durch meine Jacke an der Hüfte bedeckt war. Deshalb wusste sie nicht, dass ich eigentlich schon da die Medaille verdient hatte…

Fazit der Geschichte – Was wir schon tausendmal gehört haben und trotzdem nicht glauben 🙂 – Man kann mehr als man denkt! Ich habe ja statt 170 Höhenmetern 400 geschafft. Ich habe die kürzere Route für mich ausgewählt, weil ich dachte, ich könnte die Längere nicht. Aber wenn man schon unterwegs ist, kommt man immer an. Man muss nur starten.
© Anett Hajnal © Bilder: trc-laabental


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