Veitsch, 27.06.2026 – Manche Läufe merkt man sich wegen der Bestzeit. Andere wegen der Geschichte, die man danach am Stammtisch erzählt. Der Veitscher Skytrail 2026 gehört eindeutig in die zweite Kategorie – und der TRC Laabental war mittendrin statt nur dabei.

Ein Traditionslauf im Umbruch

39 Jahre lang war der Grenzstaffellauf ein fixer Termin im steirischen Laufkalender. Heuer wurde er durch den neuen Veitscher Skytrail Run ersetzt – neues Konzept, neue Streckenführung, neue Regeln. Auch die legendäre Königstrecke bekam eine Frischzellenkur: Start auf der Brunnalm (1.400 m Seehöhe), Streckenverlauf umgedreht, sodass der berüchtigte Teufelssteig nicht mehr das krönende Finale, sondern der Amuse-Bouche gleich zu Laufbeginn war. Klingt nach einer soliden Idee, um früh Körner zu verbrennen – und genau das taten dann auch alle brav.

Nur hatte die Sonne an diesem Tag ihre eigenen Pläne.

Wenn der Thermometer mitläuft

Schon um 8 Uhr morgens beim Start war klar: Das wird kein gemütlicher Ausflug ins Grüne. Im Tal kletterten die Temperaturen auf bis zu 38 Grad, und selbst hoch oben auf 2.000 Metern Seehöhe zeigte das Thermometer noch schweißtreibende 30 Grad. Kein Wunder, dass so mancher Startplatz leer blieb – vor allem beim Ultra-Bewerb war das Teilnehmerinnenfeld so klein wie schon lange nicht mehr.

Zur Ehrenrettung der Läuferinnen und Läufer sei gesagt: Wer sich das bei dieser Prognose zweimal überlegt hat, hat nichts falsch gemacht. Wer bei 35 Grad plus verschärften Cutoffs, mehr Höhenmetern und nur noch 5 statt der vorjährigen 12 Labestationen an den Start ging, hat dagegen ordentlich Mut bewiesen – oder war einfach zu stur, um abzusagen. Beides trifft auf Erich vom TRC Laabental zu.

Dass es im Vorfeld durchaus kritische Stimmen zur reduzierten Verpflegung gab, war bei dieser Wetterlage wenig überraschend. Zwei zusätzliche Wasserstellen hätten dem Veranstalter sicher nicht wehgetan – aber gut, man lernt ja bekanntlich aus jedem Jahr aufs Neue. Vielleicht steht das 2027 schon in einer Neuauflage.

© trc-laabental – Anett mit Kurs auf Platz 2.

Anett: Silber auf einer Strecke, die es in sich hatte

Während im Hintergrund die Hitze ihr Regiment führte, lieferte Anett beim Nordic Walking eine richtig starke Leistung ab. Auf einem technisch höchst anspruchsvollen Kurs – Wurzeln, Steine, Höhenmeter, das volle Programm – sicherte sie sich am Ende den 2. Platz in der Damenwertung. Konzentriert, konstant, kontrolliert – genau die Tugenden, die es braucht, wenn die Strecke launisch wird und die Sonne gnadenlos ist. Ein verdientes Ergebnis und ein echtes Highlight für den TRC Laabental an diesem Tag.

Erich und die Reise, die keiner gebucht hatte

Beim Ultra Marathon Trail begann für Erich das Abenteuer schon vor dem eigentlichen Abenteuer: Tracking und Zeitnehmung streikten von der ersten Minute an. Also zurück zu den Wurzeln – alte Schule, Augen auf die Markierungen, Kopf einschalten.

Das ging auch lange gut. Bis Kilometer 32.

Dort, an einer besonders unübersichtlichen Stelle mit gleich drei Abzweigungen, verschwanden die Markierungen – ob durch Menschenhand, neugierige Almtiere oder schlicht durch eine Lücke in der Streckenplanung, sei dahingestellt. Fest steht: Erich drehte sich dreimal um und lief zur letzten sicheren Markierung zurück. Beim vierten Anlauf retteten ihn Erfahrung und Bauchgefühl davor, endgültig im steirischen Nirwana zu verschwinden. Die Körner, die dabei draufgingen, kamen allerdings nicht mehr zurück.

Aus einer komfortablen ersten Zwischenzeit wurde so ein einsamer Kampf gegen Hitze, Uhr und die eigene Kopfstärke. Von den Mitstreiterinnen war da längst niemand mehr zu sehen – die einen schon Richtung Ziel unterwegs, andere bereits ausgestiegen. Am Ende zeigte die eigene Uhr 62,9 statt der offiziellen 55 Kilometer. Kleine Rundungsfehler inklusive Verlaufen, sozusagen.

Die Wasserstellen entlang der Strecke waren da entweder leer oder das Wasser so heiß, dass es eher an Tee als an Erfrischung erinnerte. Die eigentlichen Held*innen des Tages waren am Ende zwei Bergbäuerinnen an ihren Brunnen, eine davon stolze 94 Jahre alt, die durstige und überhitzte Läuferinnen kurzerhand mit dem Gartenschlauch abkühlten. Ihr Rat an Erich, im schönsten steirischen Dialekt, brachte es auf den Punkt:

„Bua, sei net bled, bleib a poar Minuten im Schotten, gwinna wirst nimma.“

Weiser hätte es an diesem Tag niemand formulieren können. Ein herzliches Dankeschön an die beiden Damen – für das kühle Wasser, das kühle Getränk und die kühle Ansage. Am Ende zählt: Nicht aufgegeben

Mit einer Nettozeit von 11 Stunden und 51 Minuten landete Erich auf Platz 45 – zum Vergleich: im Vorjahr reichten für dieselbe Distanz noch 7 Stunden und 27 Minuten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache über die Bedingungen an diesem Tag. Trost spendet dabei wenig, dass sich auch andere Läuferinnen und Läufer verlaufen haben und die DNF-Liste lang war – Hitze und Orientierungslosigkeit sind eben keine gute Kombination.

Aufgeben stand trotzdem nie ernsthaft zur Debatte. Und genau das macht diesen Lauf am Ende zu einem, an den man sich noch lange erinnern wird: nicht wegen der Bestzeit, sondern wegen des mentalen Sieges, den man sich unter diesen Bedingungen redlich erarbeitet hat.

© trc-laabental – mit letzter Kraft ins Ziel

Fazit des TRC Laabental: Ein Riesenkompliment an Anett für ihren starken 2. Platz, und Respekt an Erich fürs Durchbeißen unter widrigsten Umständen. Solche Läufe machen stärker – auch wenn man sich insgeheim wünscht, dass der alte, ehrwürdige Grenzstaffellauf irgendwann seinen Weg zurück in den Kalender findet. Aber das ist vielleicht schon wieder eine andere Geschichte für ein anderes Jahr.


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